Suche
Header
 
Überleben und Weiterleben
Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen und ihre biografischen Folgen.

 

 

In einem Internat oder in einem Heim oder im familiären Umfeld Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht zu haben, hat erhebliche Auswirkungen auf die gesamte weitere Biografie dieser Menschen. Die Forschung hat gezeigt, dass viele der Betroffenen die erlebten Grenzüberschreitungen bis ins Erwachsenenalter nicht verarbeiten konnten. Es gibt aber sehr unterschiedliche Verarbeitungsformen des erlebten Leids: Von schweren psychosozialen Beeinträchtigungen, positiven Perspektiven durch gelungene Bewältigung, bis hin zur aktiven Handlungsfähigkeit und dem Engagement für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem verdrängten Thema der sexualisierten Gewalt. Ein ausschließlich pathogenetisch ausgerichtetes Erklärungsmodell stößt hier sehr schnell an seine Grenzen.

Der Begriff „Opfer“ ist mehr als angemessen, wenn wir die sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen thematisieren. Aber viele Erwachsene, die ihre eigenen Erfahrungen mit sexuellen Grenzüberschreitungen in ihrer Lebenswelt, in Psychotherapie, in Selbsthilfe-gruppen oder in vertraulichen und/oder öffentlichen Anhörungen bearbeiten, wehren sich gegen die Zuschreibung des Opferstatus. Manche definieren sich als „Überlebende“ oder als „Widerstandskämpfer“ oder betonen ihr persönliches Wachstum. Aus diesem Kreis kommen die Menschen, die begonnen haben, die Schweigemauern um das große Tabu niederzureißen und die beteiligten Institutionen in die Pflicht zur Aufarbeitung zu nehmen.
Auf der Basis von Studien zur sexualisierten Gewalt in kirchlich getragenen und reformpädagogischen Internaten und Erfahrungen in Anhörungen der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“, die der Deutsche Bundestag eingesetzt hat, werden die Überlegungen dieser Fortbildungsveranstaltung entwickelt.

 

 

Inhalte

Anhand von eigenen empirischen Studien zu Klosterinternaten in Deutschland (Kloster Ettal) und Österreich (Stift Kremsmünster) und einem reformpädagogischen Internat (Odenwaldschule) soll aufgezeigt werden, welche systemischen Konstellationen Grenzüberschreitungen sexualisierter Gewalt fördern und welche Schritte der Aufklärung und Aufarbeitung notwendig sind. Daraus abgeleitet sind dann Präventions- und Schutzmaßnahmen. Letztlich geht es um die Förderung des gesellschaftlichen Diskurses zu Achtsamkeit und institutionellen Reformen. Wichtig ist auch der Bezug zur Psychiatrie. Sehr viele psychosoziale Probleme, die in einem scheinobjektiven Diagnoseraster verortet werden, haben schwere Missbrauchserfahrungen der Betroffenen zur Voraussetzung.

 

 

Ziele

Es geht um die Reflexion von Gründen, warum unsere Gesellschaft so lange das Thema der sexualisierten Gewalt in Familien und Institutionen „übersehen“ hat und wie wir das im Alltag, in der professionellen Praxis und in der Gesellschaft insgesamt ändern können.

 

 

Zielgruppe

Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, Psychiater*innen sowie Mitarbeiter*innen einschlägiger Institutionen

 

 

ReferentIn

Prof. Dr. Heiner Keupp

Informationen zum Referenten, Prof. Dr. Heiner Keupp, sind hier abrufbar:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Keupp

 

Zum Fortbildungsthema einschlägige Publikationen:

  • Heiner Keupp, Florian Straus, Peter Mosser, Wolfgang Gmür & Gerhard Hackenschmied: Sexueller Missbrauch und Misshandlungen in der    Benediktinerabtei Ettal: Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-14744-0.
  • Heiner Keupp, Florian Straus, Peter Mosser, Wolfgang Gmür & Gerhard Hackenschmied: Schweigen – Aufdeckung – Aufarbeitung: Sexualisierte, psychische und physische Gewalt im Benediktinerstift Kremsmünster. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-14653-5.
  • Heiner Keupp, Peter Mosser, Bettina Busch, Gerhard Hackenschmied & Florian Straus : Sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend: Forschung als Beitrag zur Aufarbeitung – Die Odenwaldschule als Leuchtturm der Reformpädagogik und als Ort sexualisierter Gewalt – Eine sozialpsychologische Perspektive Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-23362-4.

 

 

FACTS

Termin(e)

12.11.2021

 

Kosten

EUR 250,00 inkl. 10% MwSt.

 

Uhrzeit(en)

Fr 09:00 - 17:00 Uhr

 

Anmeldeschluss

29.10.2021

 

Anzahl der TeilnehmerInnen

mind. 12, max. 18 Personen

 

Ort

pro mente Akademie, Grüngasse 1A, 1040 Wien

 

 

 

 

IHR KONTAKT
Bildungsmanagement
T +43 1 513 15 30 - 113
Tel. Auskünfte: Mo - Fr, 09:00 - 15:00 Uhr
info@promenteakademie.at

 

Facebook Anmeldung Newsletter
Veranstaltungsort
Alle Veranstaltungen in Ihrem Bundesland.
Fördermöglichkeiten
Informieren Sie sich über die Möglichkeiten in Ihrem Bundesland.